So werden Gewohnheiten zur Kostenfalle​

Warum falsche Reinigungsabläufe Zeit, Qualität und Geld kosten

Management & Wirtschaftlichkeit
7 Minuten Lesezeit

Falsche Gewohnheiten in der Reinigung kosten Zeit, Qualität und Geld. Erfahre anhand konkreter Rechenbeispiele, warum Schulung, Fachwissen und klare Arbeitsabläufe in der Hauswirtschaft wirtschaftlich entscheidend sind.

Wer bewusst wird, wieviel Zeit bestimmte Gewohnheiten rauben oder welche Kosten durch falsche Arbeitsabläufe verursacht werden, handelt vielleicht anders. Genau hier zeigt sich, warum professionelle Hauswirtschaft mehr ist als praktische Ausführung: Es geht um Fachwissen, Wirtschaftlichkeit, Qualität und nachvollziehbare Standards.

Inhaltsverzeichnis

Warum gute Anweisungen allein oft nicht reichen

Aus meiner Leitungserfahrung weiß ich: Mitarbeitende setzen Standards nicht automatisch dauerhaft um, nur weil sie einmal erklärt oder geschult wurden. Im hektischen Alltag kehren vertraute Gewohnheiten schnell zurück – besonders dann, wenn lediglich ein Arbeitsschritt vorgegeben wurde, der fachliche Grund dahinter aber unklar blieb.

Ich empfehle deshalb, bei Unterweisungen immer drei Fragen zu beantworten: Was ist zu tun? Warum ist es notwendig? Und woran erkennen Mitarbeitende, dass die Aufgabe richtig erledigt wurde?

Gerade bei Hygiene in der Hauswirtschaft reicht es nicht, einzelne Regeln weiterzugeben. Das Team muss verstehen, wann eine Maßnahme erforderlich ist und wann zusätzlicher Aufwand keinen Nutzen bringt.

Typische Beispiele sind eine Händedesinfektion ohne passende Indikation, eine ungünstige Reinigungsreihenfolge oder eine nur halb beladene Spülmaschine. Jede einzelne Abweichung wirkt klein. Über viele Räume, Arbeitstage und Mitarbeitende summiert sie sich jedoch.

Beispiel 1: Kann man sich zu oft die Hände desinfizieren?

Ich empfehle eine Händedesinfektion immer dann, wenn sie durch den Hygieneplan und die konkrete Tätigkeit vorgesehen ist – nicht nach Gefühl und nicht vorsorglich bei jedem beliebigen Arbeitsschritt. Die KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene bestätigt diesen indikationsgerechten Ansatz und beschreibt, wann eine hygienische Händedesinfektion erforderlich ist.

Welche Regeln in deiner Einrichtung gelten, muss im Hygieneplan und in den Arbeitsanweisungen eindeutig festgelegt sein. Eine pauschale Pflicht zur Händedesinfektion vor jedem Bewohnerzimmer lässt sich daraus nicht ableiten. Wie Desinfektion fachlich richtig eingesetzt wird, erkläre ich ausführlicher in unserem Artikel Desinfektion in der Hauswirtschaft.

Für das folgende Rechenbeispiel nehme ich bewusst an, dass eine Einrichtung pro gereinigtem Zimmer eine zusätzliche, fachlich nicht vorgesehene Händedesinfektion beobachtet. Angenommen werden 100 Zimmer, drei Reinigungen pro Woche und 30 Sekunden zusätzlicher Zeitaufwand:

  • pro Reinigungstag: 3.000 Sekunden oder 50 Minuten,
  • pro Woche: 9.000 Sekunden oder 2,5 Stunden,
  • pro Jahr: 468.000 Sekunden oder 130 Stunden.

Bei angenommenen Personalkosten von 20 Euro pro Stunde entstehen rechnerisch 2.600 Euro zusätzliche Personalkosten pro Jahr. Materialkosten sind dabei noch nicht enthalten.

Diese Zahlen sind keine allgemeingültige Kalkulation. Sie zeigen, warum es wirtschaftlich und hygienisch sinnvoll ist, den richtigen Zeitpunkt zu schulen, statt einfach „möglichst oft“ zu desinfizieren.

Beispiel 2: Warum eine falsche Reinigungsreihenfolge teuer wird

Ich empfehle, Arbeitsabläufe so zu strukturieren, dass bereits gereinigte Bereiche nicht erneut verschmutzt werden. Bei vielen Tätigkeiten bedeutet das: sinnvoll von oben nach unten und vom weniger belasteten zum stärker belasteten Bereich arbeiten. Die genaue Reihenfolge richtet sich nach Raum, Verfahren und Hygieneplan.

Benötigt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in 100 Zimmern jeweils nur 20 Sekunden zusätzlich, weil heruntergefallener Schmutz oder Tropfen erneut beseitigt werden müssen, entstehen bei drei Reinigungen pro Woche:

  • 100 Zimmer × 20 Sekunden = 2.000 Sekunden pro Reinigungstag,
  • 2.000 Sekunden × 3 = 6.000 Sekunden pro Woche,
  • 6.000 Sekunden × 52 = 312.000 Sekunden beziehungsweise rund 86,7 Stunden pro Jahr.

Bei denselben beispielhaften Personalkosten von 20 Euro pro Stunde sind das rund 1.733 Euro im Jahr.

In meinen Schulungen für Einrichtungen erlebe ich immer wieder, wie hilfreich solche konkreten Rechnungen für Teams sind: Aus einer scheinbaren Kleinigkeit wird ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen Fachlichkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit. Wenn du solche Themen in deinem Team praxisnah bearbeiten möchtest, findest du hier Informationen zu unseren Seminaren und Inhouse-Schulungen für die Hauswirtschaft.

Damit fachlich richtige Abläufe auch im Alltag verlässlich umgesetzt werden, helfen zusätzlich klare Arbeitsablaufpläne in der Hauswirtschaft.

Bonus-Beispiel: Was kostet ein unnötiger Spülgang?

Auch eine zu früh gestartete Spülmaschine wirkt zunächst harmlos. Für eine transparente Beispielrechnung setze ich folgende Werte an:

  • Strom: 0,9 kWh × 0,35 Euro = 0,315 Euro,
  • Wasser und Abwasser: 9 Liter × 0,0045 Euro = 0,0405 Euro,
  • Arbeitszeit: 0,5 Minuten bei 20 Euro pro Stunde = rund 0,167 Euro.

Damit kostet ein zusätzlicher Spülgang in diesem Beispiel rund 0,52 Euro – zuzüglich Reinigungsmittel, Klarspüler, gegebenenfalls Salz sowie Maschinenverschleiß. Läuft die Maschine jeden Tag einmal unnötig, summiert sich das auf rund 190 Euro pro Jahr.

Die tatsächlichen Kosten hängen von Maschine, Programm, Auslastung, örtlichen Energie- und Wasserpreisen sowie den betrieblichen Personalkosten ab. Ich empfehle deshalb, für deine Einrichtung mit den echten Verbrauchswerten und Rechnungen zu kalkulieren.

Nutze solche Rechnungen, um mit deinem Team über konkrete Arbeitsabläufe zu sprechen: Was ist fachlich notwendig, was kostet unnötig Zeit und wie lässt sich der Ablauf verbessern? So wird aus der allgemeinen Aufforderung, sparsamer zu arbeiten, eine verständliche Aufgabe.

So veränderst du Gewohnheiten im Team

Nur auf Kosten hinzuweisen reicht auf Dauer nicht. Gute Führung verbindet klare Standards mit verständlichen Gründen und überprüfbaren Ergebnissen.

  1. Beobachte den tatsächlichen Ablauf. Wo entstehen unnötige Wiederholungen, Wartezeiten oder Materialverbräuche?
  2. Beschreibe den Soll-Ablauf eindeutig. Mitarbeitende müssen wissen, was in welcher Reihenfolge erwartet wird.
  3. Erkläre den fachlichen Grund. Zeige den Zusammenhang mit Hygiene, Qualität, Ergonomie oder Wirtschaftlichkeit.
  4. Rechne mit echten Betriebsdaten. Konkrete Minuten, Verbräuche und Kosten wirken stärker als allgemeine Appelle.
  5. Prüfe die Umsetzung. Rückmeldung und Nachsteuerung gehören zur Einführung eines Standards dazu.

Ein typischer Führungsfehler ist, Ergebnisse zu erwarten, ohne alle notwendigen Informationen und Kompetenzen bereitzustellen. Gleichzeitig dürfen Mitarbeitende fehlende Angaben nicht einfach hinnehmen: Verantwortlichkeiten, Vorgaben und benötigte Informationen müssen aktiv geklärt werden.

Fazit: Fachwissen spart Zeit, Geld und Nerven

Unnötige Desinfektionen, ungünstige Reinigungsreihenfolgen oder zusätzliche Spülgänge kosten jeweils nur Sekunden oder Cent. Über Wochen und Monate können daraus jedoch erhebliche Zeitverluste, Qualitätsprobleme und Belastungen entstehen.

Ich empfehle, solche Gewohnheiten nicht nur zu kritisieren, sondern gemeinsam mit dem Team sichtbar zu machen, fachlich einzuordnen und mit klaren Abläufen zu ersetzen.

Gewohnheiten im Team verändern – mit einer passenden Schulung

Wenn Mitarbeitende eingefahrene Gewohnheiten verändern sollen, müssen sie die fachlichen Hintergründe verstehen und bessere Abläufe praktisch umsetzen können. Genau dafür sind unsere Seminare und Inhouse-Schulungen gedacht: Ihr könnt die Themen passend zu eurem Arbeitsalltag gemeinsam im Team bearbeiten.

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FAQ

Warum fallen Mitarbeitende nach Schulungen wieder in alte Gewohnheiten zurück?

Oft werden Arbeitsschritte erklärt, aber nicht ausreichend im Alltag begleitet. Ich empfehle, den fachlichen Grund, das gewünschte Ergebnis und die Verantwortung klar zu benennen und die Umsetzung später erneut zu prüfen.

Warum können kleine Fehler in der Reinigung teuer werden?

Weil sich wenige zusätzliche Sekunden über viele Räume, Mitarbeitende und Wiederholungen summieren. Mit den echten Betriebsdaten lässt sich der jährliche Aufwand nachvollziehbar berechnen.

Ist häufiges Desinfizieren immer besser?

Nein. Ich empfehle eine indikationsgerechte Händedesinfektion nach Hygieneplan. Zu häufige oder falsch eingesetzte Desinfektion kostet Zeit und Material, ohne automatisch mehr Sicherheit zu schaffen.

Warum ist die Reinigungsreihenfolge wichtig?

Eine sinnvoll geplante Reihenfolge verhindert Doppelarbeit und Rekontaminationen. Welche Reihenfolge richtig ist, hängt von Raum, Verfahren und Hygieneanforderungen ab.

Wie sensibilisiere ich Mitarbeitende für wirtschaftliches Arbeiten?

Nutze konkrete Beispiele aus dem eigenen Betrieb. Wenn Mitarbeitende erkennen, wie sich Gewohnheiten auf Zeit, Kosten und Qualität auswirken, wird der Sinn eines Standards verständlicher.

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Über den Autor

Hi, ich bin René Rettig – Inhaber und Dozent von Fokus Hauswirtschaft.

 

Als Ausbilder, Hauswirtschaftlicher Betriebsleiter und Hygienebeauftragter helfe ich dir unter anderem die Ausbildung (online) unkompliziert und auf schnellstem Wege nachzuholen.

 

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