Solltest du die Hände erst waschen und danach desinfizieren? Oder reicht eine der beiden Maßnahmen? Diese Frage sorgt in Einrichtungen, Küchen und ambulanten Diensten immer wieder für Unsicherheit. Die kurze Antwort lautet: Händewaschen und Händedesinfektion werden normalerweise nicht routinemäßig hintereinander durchgeführt. Welche Maßnahme richtig ist, hängt vor allem von der Situation, der Tätigkeit und dem möglichen Infektionsrisiko ab – nicht allein vom verwendeten Händedesinfektionsmittel.
Wenn beide Schritte erforderlich sind, müssen die Hände nach dem Waschen vollständig getrocknet werden, bevor das Desinfektionsmittel aufgetragen wird. Es gibt außerdem besondere Erreger und Situationen, bei denen die Reihenfolge abweichen kann. Genau deshalb gehört die richtige Vorgehensweise in den Hygieneplan der Einrichtung.
Händewaschen und Händedesinfektion haben unterschiedliche Aufgaben
Beim Händewaschen werden sichtbarer Schmutz, Rückstände und ein Teil der Mikroorganismen mechanisch von der Haut entfernt und mit Wasser abgespült. Die hygienische Händedesinfektion verfolgt ein anderes Ziel: Sie soll Krankheitserreger auf den Händen so weit reduzieren, dass ihre Weiterverbreitung verhindert wird.
Bei einem Infektionsrisiko empfehle ich grundsätzlich die hygienische Händedesinfektion, sofern die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind. Ein vorheriges Händewaschen ist dann nicht erforderlich. Diese Einordnung deckt sich mit den Hinweisen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Auch die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet entsprechend: Sichtbar verschmutzte Hände werden gewaschen; andernfalls wird bei bestehender Indikation ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel verwendet.
Das ist auch für den Hautschutz wichtig. Häufiges Händewaschen belastet die Haut stärker als die sachgerecht durchgeführte Händedesinfektion. Wer beide Maßnahmen unnötig miteinander kombiniert, erhöht die Hautbelastung, ohne automatisch einen zusätzlichen hygienischen Nutzen zu erzielen.
Was kommt zuerst: waschen oder desinfizieren?
Für den Arbeitsalltag hilft diese einfache Entscheidung:
Die Hände sind sichtbar sauber, es besteht aber eine Desinfektionsindikation
Dann werden die trockenen Hände desinfiziert. Ein vorheriges Waschen ist nicht erforderlich. Das betrifft zum Beispiel viele Situationen in Pflege und Betreuung, in denen eine Übertragung von Krankheitserregern verhindert werden soll.
Die Hände sind sichtbar verschmutzt
Dann müssen sie gewaschen werden. Besteht anschließend zusätzlich eine Desinfektionsindikation, gilt im Regelfall:
- Hände sorgfältig mit einem geeigneten Handwaschpräparat waschen.
- Seifenreste vollständig abspülen.
- Hände mit einem Einmalhandtuch gründlich trocknen.
- Erst danach das Händedesinfektionsmittel auftragen.
Entscheidend ist der dritte Schritt. Auf feuchten Händen kann ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel verdünnt werden. Außerdem lassen sich nasse Hände schlechter vollständig und gleichmäßig benetzen. Deshalb gehört Desinfektionsmittel auf saubere und vollständig trockene Hände.
Es besteht kein besonderes Infektionsrisiko
Für Gemeinschaftsküchen empfehle ich, die Anlässe zum Händewaschen und zur Händedesinfektion verbindlich im HACCP-Konzept sowie im Hautschutz- und Händehygieneplan festzulegen. Sichtbar verschmutzte Hände werden gewaschen. Besteht eine hygienische Notwendigkeit, werden die trockenen Hände desinfiziert. Sind beide Maßnahmen erforderlich, gilt: zuerst waschen, vollständig trocknen und anschließend desinfizieren.
Eine Händedesinfektion sollte beispielsweise beim Betreten des Küchenbereichs, vor einem neuen Arbeitsgang mit leicht verderblichen oder verzehrfertigen Lebensmitteln sowie nach dem Umgang mit problematischen Rohwaren vorgesehen werden. Diese Empfehlung deckt sich mit dem Hautschutz- und Händehygieneplan der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe. Die genauen Anlässe müssen zur jeweiligen Tätigkeit, Zielgruppe und betrieblichen Gefährdungsbeurteilung passen.
Hängt die Reihenfolge vom Händedesinfektionsmittel ab?
Nicht in erster Linie. Ob gewaschen, desinfiziert oder ausnahmsweise beides durchgeführt wird, ergibt sich aus der Tätigkeit, der Verschmutzung, dem möglichen Erreger und den betrieblichen Vorgaben. Das Produkt ist trotzdem wichtig, denn nicht jedes Händedesinfektionsmittel deckt jedes Wirkungsspektrum ab.
Achte beim eingesetzten Produkt auf:
- den vorgesehenen Anwendungsbereich,
- das erforderliche Wirkungsspektrum,
- die vom Hersteller angegebene Menge,
- die Einwirkzeit und
- die Vorgaben des betrieblichen Hygiene- und Hautschutzplans.
Ich empfehle, ausreichend Desinfektionsmittel so zu verteilen, dass alle Bereiche der Hände während der vorgeschriebenen Einwirkzeit vollständig benetzt bleiben. Besonders zu berücksichtigen sind Fingerkuppen, Daumen, Nagelfalze, Fingerzwischenräume, Handrücken und Handgelenke. Die BGW bestätigt dieses Vorgehen und nennt als Orientierung etwa drei Milliliter beziehungsweise eine hohle Hand voll und mindestens 30 Sekunden. Maßgeblich bleiben die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Für die Auswahl empfehle ich, das erforderliche Wirkungsspektrum aus der Gefährdungsbeurteilung und dem Hygieneplan abzuleiten. Begriffe wie „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ und „viruzid“ beschreiben unterschiedliche Wirkungsspektren. Welches benötigt wird, darf nicht geraten werden. Maßgeblich sind außerdem gegebenenfalls die Vorgaben der Hygienefachkraft oder des Gesundheitsamtes.
Wichtige Ausnahme: sporenbildende Erreger
Bei bestimmten sporenbildenden Erregern reicht eine übliche alkoholische Händedesinfektion nicht aus. Bei Clostridioides difficile empfehle ich nach entsprechendem Kontakt die erregerspezifische Reihenfolge: zunächst hygienisch desinfizieren, anschließend gründlich waschen und trocknen. Genauso beschreibt es das Robert Koch-Institut. Die Desinfektion reduziert dabei andere vermehrungsfähige Erreger; das anschließende Waschen hilft, anhaftende Sporen mechanisch zu entfernen.
Diese Ausnahme zeigt, warum die Aussage „immer erst waschen, dann desinfizieren“ ebenso falsch ist wie „Waschen ist grundsätzlich unnötig“. Bei einem bekannten Erregergeschehen gelten die dafür festgelegten Maßnahmen. Mitarbeitende brauchen dann eine eindeutige Unterweisung statt unterschiedlicher Zurufe im Arbeitsalltag.
Ein typischer Fehler: Sicherheit durch möglichst viele Schritte
In meinen Schulungen für Einrichtungen erlebe ich, dass Mitarbeitende aus Unsicherheit mehrere Maßnahmen miteinander kombinieren: erst waschen, dann desinfizieren und anschließend vielleicht noch Handschuhe anziehen. Dahinter steckt meist der verständliche Wunsch, auf Nummer sicher zu gehen. Mehr Schritte bedeuten aber nicht automatisch mehr Sicherheit. Wenn die Reihenfolge unklar ist, die Hände noch feucht sind oder die Einwirkzeit nicht eingehalten wird, entsteht nur eine scheinbar besonders gründliche Lösung.
Professionelle Hygiene beginnt deshalb nicht mit möglichst vielen Produkten, sondern mit einer klaren Entscheidung: Welches Risiko liegt vor und welche Maßnahme ist dafür vorgesehen? Genau diese Entscheidung muss für Mitarbeitende verständlich im Hygieneplan beschrieben und praktisch geschult werden.
Eine einfache Entscheidungshilfe für den Alltag
- Sichtbarer Schmutz: Hände waschen und gründlich trocknen.
- Infektionsrisiko bei sichtbar sauberen Händen: trockene Hände desinfizieren.
- Sichtbarer Schmutz plus Desinfektionsindikation: waschen, vollständig trocknen und anschließend desinfizieren – sofern der Hygieneplan nichts Abweichendes vorgibt.
- Bekannter besonderer Erreger: die erregerspezifische Vorgabe beachten; bei C. difficile beispielsweise desinfizieren und danach waschen.
- Gemeinschaftsküche: Wasch- und Desinfektionsanlässe verbindlich im HACCP-Konzept sowie im Hautschutz- und Händehygieneplan festlegen.
Weitere Grundlagen findest du in unserem Beitrag Reinigung und Desinfektion richtig unterscheiden sowie im Überblick zur Küchenhygiene in Einrichtungen.
Für die Umsetzung in der Gemeinschaftsküche kannst du ergänzend unseren kostenlosen Kurzcheck zur Personalhygiene anfordern. Damit prüfst du, ob persönliche Hygieneregeln klar festgelegt, vermittelt und im Alltag umgesetzt werden.
Fazit: Die Situation entscheidet – nicht die Gewohnheit
Händewaschen und Händedesinfektion sind keine austauschbaren Maßnahmen. Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht routinemäßig miteinander kombiniert werden. Sind die Hände sichtbar sauber und besteht eine Desinfektionsindikation, werden die trockenen Hände desinfiziert. Sind sie sichtbar verschmutzt, müssen sie gewaschen werden. Ist zusätzlich eine Händedesinfektion notwendig, müssen die Hände vorher vollständig trocken sein. Bei besonderen Erregern gelten die dafür festgelegten Maßnahmen.
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Häufige Fragen zur Reihenfolge der Händehygiene
Muss ich nach jedem Händewaschen desinfizieren?
Nein. Eine zusätzliche Desinfektion ist nur notwendig, wenn für die Tätigkeit oder die konkrete Situation eine Desinfektionsindikation besteht. Unnötiges Waschen und Desinfizieren belastet die Haut.
Darf Händedesinfektionsmittel auf feuchte Hände?
Nein. Die Hände sollten vollständig trocken sein. Restfeuchtigkeit kann das Mittel verdünnen und die zuverlässige Anwendung beeinträchtigen.
Ist Händedesinfektion hautschädlicher als Händewaschen?
Die sachgerechte Händedesinfektion ist in der Regel hautschonender als häufiges Händewaschen. Wichtig sind geeignete Produkte sowie ein betrieblicher Hautschutz- und Hautpflegeplan.
Reicht Händewaschen nach dem Toilettengang?
In vielen Alltagssituationen ist Händewaschen das Standardverfahren. In Einrichtungen können bei Erkrankungen, Durchfallgeschehen oder besonderen Tätigkeiten zusätzliche Vorgaben zur Händedesinfektion gelten. Entscheidend ist der Hygieneplan.
Muss in einer Gemeinschaftsküche immer zusätzlich desinfiziert werden?
Nein, nicht automatisch nach jedem Händewaschen. Ich empfehle, die Anlässe zum Waschen, Desinfizieren oder zur Kombination beider Maßnahmen eindeutig im HACCP-Konzept beziehungsweise Händehygieneplan festzulegen. Sichtbar verschmutzte Hände werden gewaschen; bei hygienischer Notwendigkeit werden trockene Hände desinfiziert. Sind beide Schritte erforderlich, gilt: waschen, vollständig trocknen und anschließend desinfizieren. Diese Einordnung deckt sich mit dem Hautschutz- und Händehygieneplan der BGN.
Warum wird bei Clostridioides difficile erst desinfiziert und dann gewaschen?
Alkoholische Händedesinfektionsmittel wirken nicht ausreichend gegen die Sporen. Die Desinfektion reduziert andere vermehrungsfähige Erreger; das anschließende Waschen entfernt Sporen mechanisch von der Haut.