Desinfektion in der Hauswirtschaft

Warum Reinigung und Desinfektion nicht dasselbe sind

Hygiene & Reinigung
7 Minuten Lesezeit

Desinfektion ist nicht immer notwendig – aber wenn, dann muss sie richtig durchgeführt werden. Erfahre, worauf es bei Hände- und Flächendesinfektion, Einwirkzeit, Dosierung und Schulung ankommt.

Inhaltsverzeichnis

Reinigung und Desinfektion erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Ich empfehle, vor jeder Desinfektionsmaßnahme zuerst eine einfache Frage zu beantworten: Welches konkrete hygienische Risiko soll reduziert werden? Reinigung entfernt sichtbaren Schmutz und einen Teil der Mikroorganismen. Desinfektion soll Krankheitserreger gezielt so weit reduzieren, dass von ihnen keine Infektionsgefahr mehr ausgeht. Deshalb ist Desinfektion kein Ersatz für Reinigung und auch kein Mittel, das vorsorglich auf jeder Fläche eingesetzt werden sollte.

In professionellen Einrichtungen müssen die notwendigen Maßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung, dem Hygieneplan, der Nutzung des Bereichs und der Schutzbedürftigkeit der versorgten Menschen abgeleitet werden. Die aktuelle KRINKO-Empfehlung zur Reinigung und Desinfektion von Flächen folgt ebenfalls einem risikobasierten Vorgehen.

Händedesinfektion: gezielt und vollständig anwenden

Bei einem Infektionsrisiko empfehle ich die hygienische Händedesinfektion, sofern die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind. Entscheidend ist, dass ausreichend Mittel verwendet wird und alle Bereiche der Hände während der vorgeschriebenen Einwirkzeit benetzt bleiben. Dazu gehören Fingerkuppen, Daumen, Nagelfalze, Fingerzwischenräume, Handrücken und Handgelenke.

Die BGW nennt als Orientierung etwa drei Milliliter beziehungsweise eine hohle Hand voll und mindestens 30 Sekunden. Maßgeblich bleiben jedoch die Herstellerangaben des eingesetzten Händedesinfektionsmittels. Sichtbar verschmutzte Hände werden gewaschen. Wenn anschließend zusätzlich eine Desinfektion erforderlich ist, müssen sie vorher vollständig getrocknet werden.

Welche Reihenfolge in einer konkreten Situation richtig ist, erkläre ich ausführlich im Beitrag Hände waschen oder desinfizieren.

Flächendesinfektion: Drei Punkte sind entscheidend

Damit eine Flächendesinfektion zuverlässig wirken kann, müssen aus meiner Sicht drei Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Richtige Konzentration

Viele Flächendesinfektionsmittel werden als Konzentrat geliefert und müssen korrekt mit Wasser angesetzt werden. Eine zu niedrige Konzentration kann die Wirksamkeit beeinträchtigen; eine zu hohe Konzentration verursacht unnötige Kosten und kann Materialien oder Beschäftigte belasten. Verwende deshalb Dosierhilfen und beachte die Herstellerangaben.

2. Vollständige Benetzung

Die zu desinfizierende Fläche muss vollständig benetzt werden. Werden Bereiche ausgelassen, können dort vermehrungsfähige Erreger verbleiben. Besonders wichtig ist eine systematische Vorgehensweise bei häufig berührten Kontaktflächen sowie bei Flächen, die mit Blut, Ausscheidungen oder anderen potenziell infektiösen Materialien verunreinigt wurden.

3. Vorgeschriebene Einwirkzeit

Ich empfehle, die Einwirkzeit nicht zu schätzen, sondern dem Produktetikett beziehungsweise dem Desinfektionsplan zu entnehmen. Die benötigte Zeit hängt vom Produkt, der Konzentration, dem Wirkungsspektrum und dem Anwendungsfall ab. Die Fläche muss während der vorgeschriebenen Zeit ausreichend benetzt bleiben.

Diese drei Grundsätze gelten nicht nur bei der Flächendesinfektion. Auch bei Hände- und Hautdesinfektionsmitteln müssen Konzentration beziehungsweise Menge, vollständige Benetzung und Einwirkzeit stimmen. Damit solche Vorgaben im Alltag nicht von Person zu Person unterschiedlich umgesetzt werden, helfen klare Arbeitsabläufe in der Hauswirtschaft.

Wischdesinfektion ist in der Regel die bessere Wahl

Für Flächen empfehle ich grundsätzlich ein Wischverfahren. Beim bloßen Aufsprühen ist schwerer zu erkennen, ob die Fläche vollständig benetzt wurde. Zusätzlich können Beschäftigte Aerosole einatmen. Vorgetränkte Tücher oder frisch mit korrekt dosierter Lösung getränkte Tücher verbinden die Benetzung mit einer mechanischen Wirkung.

Auch das Robert Koch-Institut berücksichtigt in seiner aktuellen Flächenempfehlung die sichere Auswahl und Durchführung geeigneter Verfahren. Welche Methode im Betrieb eingesetzt wird, muss im Hygiene- und Desinfektionsplan eindeutig festgelegt sein.

Wann ist eine routinemäßige Flächendesinfektion sinnvoll?

Ich empfehle keine pauschale Desinfektion aller Flächen. Entscheidend ist das Übertragungsrisiko. Fußböden, Möbel oder Sanitärflächen müssen nicht allein deshalb desinfiziert werden, weil sie sich in einer Einrichtung befinden. Eine gezielte Desinfektion ist insbesondere sinnvoll, wenn infektiöses Material vorhanden ist, ein Ausbruchsgeschehen besteht, besonders gefährdete Personen geschützt werden müssen oder der Hygieneplan die Maßnahme für einen konkreten Bereich vorsieht.

Die aktuelle KRINKO-Empfehlung unterscheidet deshalb nach Flächennähe, Berührungshäufigkeit, Kontaminationswahrscheinlichkeit und möglicher Übertragung. Das bestätigt meinen Grundsatz: so viel Desinfektion wie fachlich erforderlich, aber nicht mehr als notwendig.

Seniorenheim und Krankenhaus dürfen nicht gleichgesetzt werden

Ein Seniorenheim ist kein Krankenhaus. Daraus folgt aber nicht, dass dort dieselben Regeln wie in einem Privathaushalt gelten. Bewohnerinnen und Bewohner können aufgrund ihres Alters, bestehender Erkrankungen, Pflegebedarfs oder medizinischer Maßnahmen besonders schutzbedürftig sein. Gleichzeitig soll die Einrichtung ein Wohn- und Lebensort bleiben.

Ich empfehle deshalb eine einrichtungsbezogene Risikobewertung. In vielen Alltagssituationen steht die fachgerechte Reinigung im Vordergrund. Eine gezielte Desinfektion kommt hinzu, wenn das Infektionsrisiko, der konkrete Bereich oder die Situation es erfordern. Die Hinweise des RKI zum Hygieneplan unterstreichen, dass übergeordnete Empfehlungen an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und verbindlich festgelegt werden müssen.

Klare Regeln sind wichtiger als möglichst viele Mittel

In meinen Schulungen für Einrichtungen erlebe ich, dass Unsicherheit häufig zu zwei gegensätzlichen Reaktionen führt: Manche Mitarbeitende desinfizieren nahezu alles, andere verlassen sich allein auf sichtbare Sauberkeit. Beides kann am tatsächlichen Risiko vorbeigehen.

Ich empfehle deshalb einen verständlichen Desinfektionsplan, der mindestens beantwortet:

  • Welche Fläche oder Tätigkeit ist gemeint?
  • Wann reicht Reinigung und wann ist Desinfektion erforderlich?
  • Welches Produkt und welches Wirkungsspektrum werden benötigt?
  • Welche Konzentration und Einwirkzeit gelten?
  • Wer führt die Maßnahme durch und wie wird sie kontrolliert?

Solche Entscheidungen müssen nicht nur schriftlich vorliegen, sondern praktisch geschult werden. In meinen Seminaren zu Reinigung und Hygiene übertrage ich die fachlichen Vorgaben deshalb gemeinsam mit den Teilnehmenden auf typische Situationen aus dem Arbeitsalltag.

Für den Teilbereich Personalhygiene in Gemeinschaftsküchen kannst du unseren kostenlosen Personalhygiene-Kurzcheck anfordern. Er hilft dir, persönliche Hygieneregeln und ihre Umsetzung zu prüfen; einen bereichsspezifischen Desinfektionsplan ersetzt er nicht.

Fazit: Desinfektion fachlich richtig einsetzen

Desinfektion ist kein Allzweckmittel. Ich empfehle sie immer dann, wenn ein konkretes hygienisches Risiko besteht, der Hygieneplan sie vorsieht oder potenziell infektiöses Material im Spiel ist. Entscheidend sind das passende Mittel, die korrekte Konzentration, vollständige Benetzung und die vorgeschriebene Einwirkzeit.

Sind die Regeln zur Reinigung und Desinfektion in deinem Team uneinheitlich? Dann können wir die fachlichen Vorgaben in einer praxisnahen Schulung auf eure Einrichtung und typische Arbeitssituationen übertragen.

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FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Reinigung und Desinfektion?

Bei der Reinigung werden Schmutz und ein Teil der Mikroorganismen mechanisch entfernt. Bei der Desinfektion werden Krankheitserreger gezielt inaktiviert beziehungsweise so weit reduziert, dass von der behandelten Fläche oder Haut keine Infektionsgefahr mehr ausgehen soll. Nicht jede Situation erfordert beide Maßnahmen.

Wann ist eine Flächendesinfektion sinnvoll?

Ich empfehle eine Flächendesinfektion bei einem konkreten Infektionsrisiko, bei Kontamination mit potenziell infektiösem Material, in festgelegten Risikobereichen oder wenn der Hygieneplan sie vorsieht. Ohne entsprechenden Anlass kann eine fachgerechte Reinigung ausreichend sein.

Ist Sprühdesinfektion sinnvoll?

Für Flächen ist die Wischdesinfektion in der Regel vorzuziehen. Sie erleichtert die vollständige Benetzung und vermeidet unnötige Aerosole. Abweichende Verfahren müssen fachlich begründet und im betrieblichen Plan festgelegt sein.

Wie häufig müssen die Hände desinfiziert werden?

Nicht nach einem starren Zeitplan, sondern bei einer festgelegten Desinfektionsindikation. Welche Anlässe gelten, muss zum Arbeitsbereich passen und im Händehygieneplan beschrieben sein. In Küchen, Pflegebereichen und anderen Tätigkeitsfeldern können deshalb unterschiedliche Vorgaben gelten.

Kann man Einmalhandschuhe desinfizieren?

Einmalhandschuhe sind grundsätzlich für den einmaligen, tätigkeitsbezogenen Einsatz vorgesehen. Ob ein bestimmter Handschuh in einer besonderen Situation desinfiziert werden darf, hängt vom Material, vom Anwendungsbereich und von den Herstellerangaben ab. Im Zweifel empfehle ich einen fachgerechten Handschuhwechsel und anschließend die erforderliche Händehygiene.

Wie oft sollten Mitarbeitende geschult werden?

Schulungen sollten bei der Einarbeitung, bei geänderten Verfahren oder Produkten, nach erkannten Fehlern und zusätzlich in den betrieblich festgelegten Abständen stattfinden. Entscheidend ist nicht nur die Teilnahme, sondern ob Mitarbeitende die Maßnahmen anschließend sicher anwenden können.

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Über den Autor

Hi, ich bin René Rettig – Inhaber und Dozent von Fokus Hauswirtschaft.

 

Als Ausbilder, Hauswirtschaftlicher Betriebsleiter und Hygienebeauftragter helfe ich dir unter anderem die Ausbildung (online) unkompliziert und auf schnellstem Wege nachzuholen.

 

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