Individueller betrieblicher Ausbildungsplan Hauswirtschaft

So strukturierst du Ausbildungsinhalte sinnvoll im Betrieb

Management & Wirtschaftlichkeit
8 Minuten Lesezeit

Ein individueller betrieblicher Ausbildungsplan hilft, die Ausbildung in der Hauswirtschaft strukturiert zu organisieren. Erfahre, wie er aufgebaut ist, welche Inhalte hinein gehören und wie du Ausbildungsrahmenplan, Betrieb und Praxis sinnvoll verbindest.

Wenn in einem Betrieb Hauswirtschafter*innen ausgebildet werden, muss klar sein, wie das geschieht.

Grundlage dafür ist ein klares Verständnis vom Berufsbild Hauswirtschaft und davon, welche Kompetenzen Auszubildende während der Ausbildung entwickeln sollen.

Inhaltsverzeichnis

Die verschiedenen Ausbildungspläne

Der individuelle betriebliche Ausbildungsplan unterscheidet sich vom Rahmenlehrplan und vom Ausbildungsrahmenplan. Dies sind drei verschiedene Pläne, die aber zusammen wirken.

Pass auf:

Der Ausbildungsrahmenplan ist Teil der Ausbildungs-Verordnung und gibt an…

  • welche Inhalte während der gesamten Ausbildung vermittelt werden sollen
  • den Zeitraum, in dem diese Inhalte vermittelt werden sollen.
  • und in welchem Umfang (also z.B. innerhalb von 6 Wochen) der jeweilige Inhalt vermittelt werden soll.

Hier findest du die aktuelle Verordnung inklusive Ausbildungsrahmenplan für Hauswirtschafter*innen.

Das ist ein Teil des Ausbildungsrahmenplans. Hier siehst du folgendes:
  1. Die Laufende Nummer
  2. Den Teil des Ausbildungsberufes (sozusagen das Überthema)
  3. Die zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
  4. Und den Richtwert in Wochen, der in der 1. und 2. Ausbildungshälfte zugeordnet ist (1. – 18. Monat und 19. – 36. Monat)
Dieser Teil des Ausbildungsrahmenplans sagt uns also, dass die Fähigkeit „Bedeutung und Leistung der hauswirtschaftlichen Versorgung erläutern“ dem Auszubildenden in der ersten Ausbildungshälfte und über einen Zeitraum von vier Wochen zu vermitteln ist.
Der Rahmenlehrplan ist im Prinzip die Ergänzung zum individuellen betrieblichen Auftrag – nur für die Schule.
Er gibt also an, wann welche Inhalte in der Schule vermittelt werden.
Ich gehe an dieser Stelle nicht näher auf den Rahmenlehrplan ein, da wir uns ja näher mit dem individuellen betrieblichen Ausbildungsplan beschäftigen möchten.
Und der individuelle betriebliche Ausbildungsplan soll angeben, wann welche Inhalte im Betrieb vermittelt werden.
Dazu kommen wir jetzt.

Der Aufbau des betrieblichen Ausbildungsplans

Wichtig: Du musst den Plan nicht so aufbauen, aber ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht.
Der Plan heißt übrigens nicht umsonst „individuell„.
Du musst ihn für deinen aktuellen Betrieb erstellen.
Das bedeutet, du wirst im Internet keine Vorlage o.ä. finden, die du einfach übernehmen kannst.
Eine Vorlage kann dir Orientierung geben, ersetzt aber nicht die fachliche Planung für deinen Betrieb, deine Abteilungen und deine konkreten Ausbildungsbedingungen.
  1. Durchläuft der Azubi verschiedene Betriebe (z.B. im Rahmen einer Verbundausbildung)?
  2. Oder durchläuft er verschiedene Abteilungen (sehr wahrscheinlich als Hauswirtschafter*in)?
  3. Welche Inhalte können überhaupt im Ausbildungsbetrieb vermittelt werden?
  4. Für welche Inhalte sind evtl. Praktika in externen Betrieben notwendig?
Das sind Fragen, die du dir bei bzw. vor der Erstellung des Ausbildungsplans stellen musst.
Wenn ich dir gleich den Aufbau und die Erstellung erklärt habe, wird dir auch klar warum.
Kommen wir also zum Aufbau:

 

  • Wann: Hier gibst du ganz einfach den Zeitraum an, den du für den vorgesehen hast. Z.B. Monat 1 – 6 der Ausbildung. Du kannst es aber auch schon fix terminieren mit z.B. 01.08. – 31.01.
  • Wo: In welcher Abteilung, in welchem Betrieb befindet sich der Auszubildende in diesem Zeitraum?
  • Was: Hier kommen wir zu den zu vermittelnden Fertigkeiten aus dem Ausbildungsrahmenplan. Also welche Fertigkeiten sollen in diesem Zeitraum vermittelt werden?
  • Wer: Wer vermittelt diese Fähigkeiten? Hauswirtschaftsleitung? Küchenleitung? Andere Fachkräfte? Es muss nicht zwingend der Ausbilder tätig werden. Er kann es delegieren, trägt aber am Ende die Verantwortung. Gerade für Hauswirtschaftsleitungen ist es deshalb wichtig, Ausbildung nicht nebenbei laufen zu lassen, sondern Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe in der Hauswirtschaft klar zu planen.
  • Erledigt am: Dieses Feld ist besonders wichtig, um zu dokumentieren, dass die Inhalte tatsächlich vermittelt wurden. Hier unterschreiben sowohl der Anleiter, als auch der Azubi inkl. Datum.

Das sollte die Grundstruktur deines betrieblichen Ausbildungsplans sein.

Wie du ihn genau erstellst, zeige ich dir jetzt.

 

Die Erstellung des betrieblichen Ausbildungsplans

Wie fängst du nun mit der Erstellung an?

Grundsätzlich ist der individuelle betriebliche Ausbildungsplan ja dazu da, um sicherzustellen, dass alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die im Ausbildungsrahmenplan aufgelistet werden, während der Ausbildung vermittelt werden.

Du schaust nun also wo der Auszubildende während der Ausbildung eingesetzt wird und welche Kenntnisse dort vermittelt werden können.

Das sollte natürlich auch zum vorgegebenen Zeitraum des Ausbildungsrahmenplans passen. Also der 1. und 2. Ausbildungshälfte.

Wenn der Azubi also in den Monaten 1-6 in der Großküche ist, wird er nur schwer Fähigkeiten aus dem Bereich der Reinigung oder Wäschepflege erlernen können.

Du musst nun alle zu erlernenden Fähigkeiten aus dem Ausbildungsrahmenplan in dem betrieblichen Ausbildungsplan integrieren.

So stellst du sicher, dass Auszubildende nicht nur einzelne Tätigkeiten kennenlernen, sondern systematisch auf die berufliche Handlungskompetenz und die spätere Prüfungsvorbereitung Hauswirtschaft vorbereitet werden.

Ich habe hier ein Beispiel für dich:

 

Hier habe ich die entsprechenden Fähigkeiten aus dem Ausbildungsrahmenplan im betrieblichen Ausbildungsplan integriert. In dieser Zeit sollte sich Azubi in der Reinigung befinden.

Kleiner Tipp: Ich bin immer so vorgegangen, dass ich zuerst festgelegt habe in welchen Blöcken der Azubi in welcher Abteilung ist.

Das könnte so aussehen:

  • Monat 1-3: Großküche
  • Monat 4-6: Reinigung
  • Monat 7-9: Wäscherei
  • usw.

Das Ganze führst du dann bis Monat 18 und anschließend für die Monate 19 – 36 fort.

So hast du eine klare Abgrenzung zwischen den Fähigkeiten, die in der ersten Ausbildungshälfte vermittelt werden sollen und denen, die in der zweiten Ausbildungshälfte dran sind.

Anschließend fügst du alle zu vermittelnden Fähigkeiten und Kenntnisse am besten per Drag&Drop (Aus der Tabelle des Ausbildungsrahmenplans „herausziehen“ und im betrieblichen Ausbildungsplan einfügen) in die Zelle, die am besten zu dem Thema passt.

Woher weißt du, welche Zelle am besten passt?

Schau im Beispiel oben. Diese Fähigkeiten ziehst du am besten in die Zelle, die zum Bereich Reinigung gehört.

Ist der Azubi also in den Monaten 4-6 in der Reinigung, kannst du diese Fähigkeiten auch in diesem Zeitraum dort vermitteln (lassen).

So gehst du mit allen Fähigkeiten und Kenntnissen vor.

  • Schneidetechniken werden am besten in der Großküche vermittelt.
  • Eigenschaften von Textilien am besten in der Wäscherei
  • usw.

Am Ende hast du dann für jeden Ausbildungsblock eine bestimmte Anzahl an Fähigkeiten und Kenntnissen, die dort in dieser Zeit vermittelt werden sollen.

Und nun kommt noch ein ultimativer Tipp zum Schluss.

Der ultimative Tipp

Wenn du so wie ich langfristig denkst und gerne einmal viel Arbeit und dafür im Nachhinein immer weniger Arbeit haben möchtest, dann pass nun auf.

Du fügst noch eine weitere Spalte mit der Überschrift „Wie“ hinzu.

Hier beschreibst du, entweder für dich oder für den Anleiter, wie die jeweilige Fähigkeit vermittelt werden soll.

  • Eine PowerPoint-Präsentation erstellen
  • Speiseplan für eine Woche selbstständig planen
  • Eine oder mehrere genau definierte Speisen zubereiten
  • usw.

So wird aus dem Ausbildungsplan nicht nur eine Pflichtunterlage, sondern ein echtes Steuerungsinstrument für die Ausbildung im Betrieb. Je nach Fähigkeit fallen dir bestimmt tolle Beispiele ein.

Und bestimmt gibt es in dem Ausbildungsbetrieb Veranstaltungen, die sich jährlich wiederholen und so perfekt eingebunden werden können.

Wie wäre es z.B., wenn immer der Azubi im 3. Lehrjahr den Tag der offenen Türorganisiert?

Oder wenn es im Sommer immer ein kleines Grillfest für eine bestimmte Anzahl an Bewohnern, Kunden o.ä. gibt und immer der Azubi im 2. Lehrjahr für einen Teilbereich der Organisation verantwortlich ist?

So sparst du zum Einen Zeit bei der Ausbildungsorganisation und zum Anderen bei der Organisation der jeweiligen Veranstaltung.

Gleichzeitig lernen Auszubildende, hauswirtschaftliche Aufgaben nicht nur auszuführen, sondern zu planen, zu koordinieren und fachlich zu reflektieren.

Fazit

Ich hoffe, dass du nun einen individuellen betrieblichen Ausbildungsplan erstellen kannst.

Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Zumal du den Jahresablauf, die Strukturen und die einzelnen Teilbereiche des Unternehmens genau kennen musst.

Wenn du den individuellen betrieblichen Ausbildungsplan nicht allein erstellen möchtest, kann ich dich dabei unterstützen.

In einem individuellen Coaching zur Ausbildungsorganisation entwickeln wir gemeinsam einen betrieblichen Ausbildungsplan, der zu deinem Betrieb, deinen Abteilungen und den Anforderungen der Ausbildungsordnung passt. Dabei geht es nicht nur um eine Tabelle, sondern um eine Ausbildung, die im Alltag funktioniert: strukturiert, nachvollziehbar und gut dokumentiert.

Auf Wunsch schauen wir uns auch an, wie du die Ausbildung in deinem Betrieb digitaler, übersichtlicher und verbindlicher organisieren kannst.

FAQ

Was ist ein individueller betrieblicher Ausbildungsplan?

Ein individueller betrieblicher Ausbildungsplan zeigt, wann, wo, von wem und wie die Ausbildungsinhalte im Betrieb vermittelt werden. Er überträgt den Ausbildungsrahmenplan auf die konkrete betriebliche Praxis.

Wer erstellt den individuellen betrieblichen Ausbildungsplan?

In der Regel erstellt der Ausbildungsbetrieb den Plan. Verantwortlich ist die ausbildende Stelle beziehungsweise die verantwortliche Ausbilderin oder der verantwortliche Ausbilder.

Worin liegt der Unterschied zwischen Ausbildungsrahmenplan und betrieblichem Ausbildungsplan?

Der Ausbildungsrahmenplan gibt vor, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten während der Ausbildung vermittelt werden müssen. Der individuelle betriebliche Ausbildungsplan legt fest, wann und wo diese Inhalte im konkreten Betrieb vermittelt werden.

Muss der betriebliche Ausbildungsplan individuell sein?

Ja. Der Plan muss zu den tatsächlichen Bedingungen im Betrieb passen. Deshalb kann eine allgemeine Vorlage immer nur Orientierung geben, aber nicht eins zu eins übernommen werden.

Was gehört in einen guten betrieblichen Ausbildungsplan?

Sinnvoll sind Angaben zu Zeitraum, Einsatzbereich, Ausbildungsinhalten, verantwortlicher Person, konkreter Vermittlungsmethode und Dokumentation der vermittelten Inhalte.

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Über den Autor

Hi, ich bin René Rettig – Inhaber und Dozent von Fokus Hauswirtschaft.

 

Als Ausbilder, Hauswirtschaftlicher Betriebsleiter und Hygienebeauftragter helfe ich dir unter anderem die Ausbildung (online) unkompliziert und auf schnellstem Wege nachzuholen.

 

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