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So werden Gewohnheiten zur Kostenfalle

Schulungen der Mitarbeitenden in der Reinigung gehören zu den regelmäßigen Aufgaben der Leitungskräfte. Trotzdem bleibt es mit dem Argument „Das haben wir schon immer so gemacht“ oft bei der üblichen Vorgehensweise.

Das könnte sich ändern, wenn Mitarbeitende mehr Hintergrundwissen erhalten.

Wem bewusst wird, wieviel Zeit bestimmte Gewohnheiten rauben oder welche Kosten durch falsche Arbeitsabläufe verursacht werden, handelt vielleicht anders.

Zwei Rechenbeispiele geben Aufschluss.

Inhaltsverzeichnis

Warum regelmäßige Schulungen nicht erfolgreich sind

Leitungskräfte kennen das: Trotz regelmäßiger Schulungen fallen Mitarbeitende schnell wieder in alte Verhaltensmuster. Anweisungen werden oft bereits nach kurzer Zeit wieder falsch oder gar nicht umgesetzt.

Ein Grund könnte sein, dass nur die Vorgehensweise vermittelt wird, nicht aber die hygienischen oder wirtschaftlichen Hintergründe. Allerdings verinnerlichen Mitarbeitende die Schulungsinhalte dadurch deutlich schlechter und begehen daher oft auch unbeabsichtigt Fehler, die dann zu qualitativ schlechteren Ergebnissen, zu einem höheren Zeitaufwand und somit zu höheren Kosten führen.

Immer wieder kommt es im stressigen Alltag vor, dass Mitarbeitende hauswirtschaftliche Grundsätze nicht berücksichtigen, weil sie es „schon immer so gemacht haben“.

Zwei Beispiele dafür sind zu häufiges bzw. unnötiges Händedesinfizieren oder die Missachtung des Grundsatzes „von oben nach unten reinigen“.  

Was bedeutet das aus betriebswirtschaftlicher Sicht?

Beispiel 1: Zu häufiges Händedesinfizieren

Gezielte Händedesinfektion ist das wichtigste Werkzeug, um der Verbreitung von Krankheitserregern vorzubeugen. Es nützt allerdings nichts, wenn regelmäßig zwischendurch desinfiziert wird, dafür aber in notwendigen Situationen nicht.

Aber was kostet eine „überflüssige“ Händedesinfektion? Am Beispiel der Reinigung eines Zimmers im Seniorenwohnheim lässt sich dies gut verdeutlichen:

Eine Händedesinfektion vor dem Betreten des Zimmers sollte Pflicht sein und eventuell noch eine zweite, wenn zum Beispiel Körperflüssigkeiten (Blut, Erbrochenes, Stuhl) beseitigt werden oder der Bewohner eine diagnostizierte Krankheit hat, die dies notwendig macht.

Wenn Mitarbeitende aber – aus Unwissenheit oder Gewohnheit – drei anstatt zwei Mal die Hände desinfizieren, führt dies zu zusätzlichen Kosten für den Betrieb. Gehen wir für das Rechenbeispiel von 100 Bewohnerzimmern aus, die drei Mal wöchentlich gereinigt werden.

Pro Zimmer sind es 30 unnötige Sekunden, die Mitarbeitende mit der Händedesinfektion verbringen (Einwirkzeit beachten!).

An einem Tag sind es 3000 Sekunden (30 Sekunden x 100 Zimmer).
In einer Woche 9000 Sekunden (3000 Sekunden x 3 Reinigungen pro Woche)
Und im Jahr 468.000 Sekunden (9000 Sekunden pro Woche x 52 Wochen).

Dies macht umgerechnet 130 Stunden im Jahr, die der Abteilung Hauswirtschaft pro Jahr zur Erbringung der Leistung fehlen bzw. die Betriebe bezahlen müssen, ohne einen Nutzen davon zu haben.

130 Stunden x 20 Euro Stundenlohn der hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden (inkl. Sozialabgaben) ergeben 2600 Euro Kosten pro Jahr. Die Kosten für das Händedesinfektionsmittel sind hier nicht miteinberechnet und kommen noch dazu.

War dir oder deinen Mitarbeitenden dieses Ausmaß bewusst?

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Beispiel 2: Reinigungsgrundsätze werden nicht beachtet

Du als verantwortliche Kraft weißt, dass es zusätzliche Arbeit bedeutet, wenn man nicht konsequent „von oben nach unten“ reinigt. Um die gleiche Qualität zu erreichen, musst du ggf. herunterfallenden Schmutz oder Tropfen (erneut) beseitigen. Bei gleichbleibender Qualität entsteht also ein erhöhter Zeitaufwand.

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Wenn Mitarbeitende also in jedem Zimmer zirka 20 Sekunden mehr Zeit benötigen, weil sie herunterfallenden Schmutz oder Tropfen erneut beseitigen muss, führt dies zu einem ähnlich hohen Zeitaufwand wie das zu häufige Desinfizieren der Hände.

Im beruflichen Alltag benötigen die Mitarbeitenden allerdings selten länger, denn Überstunden müssen vorab angeordnet werden und man möchte pünktlich Feierabend haben. Die Konsequenz ist, dass effektiv weniger Zeit für die Reinigung zur Verfügung steht, was in der Regel zu einer schlechteren Qualität der Reinigungsleistung und einer höheren Belastung für Mitarbeitende führt.

Um also eine gleichbleibende Qualität zu erreichen, müssten hauswirtschaftliche Führungskräfte mehr Zeit zur Verfügung stellen.

Es entsteht ein ähnliches Rechenbeispiel bei der Händedesinfektion, nur eben mit 20 Sekunden Mehraufwand pro Zimmer.

Hochgerechnet ergibt dieser fachliche Fehler Mehrkosten in Höhe von mehr als 1733,00 Euro pro Jahr!

Diese Rechenbeispiele zeigen, dass das Umsetzen von fachlichen Grundsätzen enorm wichtig ist, um wirtschaftlich zu arbeiten. Es lässt sich in der Regel genau ausrechnen, wie viel fachliche Fehler das Unternehmen kosten.

Führungskräfte sollten ihren Mitarbeitenden gelegentlich vorrechnen, wie viele Kosten sie verursachen, wenn sie so weitermachen, „wie sie es schon immer getan haben“.

Führungskräfte, die hauswirtschaftliche Grundsätze immer wieder einfordern, Reinigungsabläufe überprüfen und korrigieren, können diese beispielhaften Kalkulationen eventuell mit in die nächste Gehaltsverhandlung oder Diskussion über die Notwendigkeit einer professionellen Hauswirtschaft nehmen.

Dieser Artikel wurde in seiner urpsrünglichen Fassung für den Infodienst des Berufsverbandes Hauswirtschaft geschrieben.

Über den Autor

Über den Autor

Hi, ich bin René Rettig - Inhaber und Dozent von Fokus Hauswirtschaft.

Als Ausbilder, Hauswirtschaftlicher Betriebsleiter und Hygienebeauftragter helfe ich dir unter anderem die Ausbildung (online) unkompliziert und auf schnellstem Wege nachzuholen.

Du willst mich bestechen? Versuchs mit Käsekuchen.

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